Geschichte des Gartens

Der "Garten beim Thomastor am Ringsheimer Weg" wird 1721 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Nach mehrfachem Wechsel der Eigentümer, war er ab 1790 im Besitz des Baron Franz Reinhard Hannibal Albertini von Ichtratzheim. Dies war die Zeit, in der Kardinal Rohan, der Fürstbischof von Straßburg, vor der Revolution ins Exil nach Ettenheim geflohen war.

Prinz Louis Antoine de Bourbon CondeCharlotte Louise Dorothee Princesse de Rohan RochefortIhm folgte später der Prinz Louis Antoine Henri de Bourbon-Condé, der den Titel „Duc d’Enghien“ trug ins Ettenheimer Exil, wo ihm Baron Albertini von Ichtratzheim in seinem Hause Wohnung gewährte. So konnte der Herzog von Enghien auch den Garten des Barons vor dem Thomastor benutzen.

Der Prinz verliebte sich in die Nichte des Kardinals Prinzessin Charlotte Rohan-Rochefort, mit der er sich oft im Garten zur Erholung aufhielt und Gartenarbeit verrichtete, dies berichtet Henriette Stuber, die Tochter des Ettenheimer Oberamtmannes Franz Michael Stuber, in ihren Erinnerungen, wo sie schreibt: "Der Herzog von Enghien hatte für die, die er liebte und mit der er heimlich vermählt war, ein Gärtchen auf einem Berge außerhalb dem Tore angelegt, und darin durfte niemand arbeiten als der Herzog selbst und seine Herren. Die Bedienten mußten Vater bis an die Tür führen, und von da an wurde er abgeholt, so daß keiner einen Fuß in dieses Gärtchen setzen durfte. Nur meine Mutter begleitete täglich die Prinzessin, und ich durfte das Körbchen tragen, oder was er sonst brauchte, weil auch sie keine Bedienung mitnehmen wollte."
Die Stadtrechnung von 1805 belegt, daß der Baron Ichtratzheim Allmend-Bodenzins von "seiner Steeg und Gärtel beim Thomasthor" entrichten mußte.
Nach einer Schuldverschreibung vom 1. Juni 1810 verpfändete der Baron u. a. "seinen vor dem Thomasthor liegenden, ganz mit einer Mauer umgebenen, Kraut- und Baumgarten in einem Werthe von 2500 Gulden" (abbezahlt am 28.10.1810).
Später erbte Peter Bosch den Garten, den er am 15. November 1821 versteigern ließ. Die nördliche Abteilung mit Gartenhaus und Brunnen ersteigerte der Bierbrauer Franz Xaver Köbele und die südliche der Salmenwirt Benedikt Werber.
Franz Xaver Köbele war ein Vorfahre von Frau Maria Kopp, der letzten Privateigentümerin des südlichen Gartenteils.
Xaver Köbele betrieb in der Thomasstraße eine Bierbrauerei und Gastwirtschaft. Er ließ bald nach dem Kauf des Gartens an der Westseite des Gartenhäuschens einen gewölbten Keller zur Bierablagerung bauen (1959 abgebrochen). Er richtete auf dem Gartengelände eine Sommerwirtschaft und eine Kegelbahn ein. Im unteren Raum des Gartenhäuschens war der Bierausschank, im oberen konnten die Gäste Karten spielen.
Im Jahre 1959 hat die Stadt Ettenheim diesen als Kopp’scher Garten bezeichneten Gartenteil von Frau Maria Kopp erworben, mit dem Ziel, nach Ablauf des der Frau Kopp zugestandenen weiteren Nutzungsrechts hier einen Stadtgarten anzulegen. Die Nutzung des Gartens wurde im Jahre 1998 von Frau Kopp aufgegeben.
Der südliche Gartenteil wurde nach dem Tod von Theodor Werber von den Erben im Jahre 1880 an den Küfer Josef Schmid verkauft.

Engheim Gartenpavillon Winter Im Jahre 1908 erbte seine Tochter Maria Theresia Sauer, geb. Schmid, diesen Gartenteil.
Im Jahre 2001 konnte die Stadt Ettenheim auch diesen Gartenteil, den man als den Sauer’schen Garten bezeichnete, erwerben. Damit konnte die historische Einheit des Ichtratzheim’schen Gartens wieder hergestellt werden.
  In der Beurteilung des Landesdenkmalamtes vom 06.07.2001 stellt der Enghien-Gartenpavillon aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal gem. § 2 des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes (DSchG) dar.
Der Pavillon bildet zusammen mit dem Garten und der begrenzenden Sandsteinmauer eine Sachgesamtheit gem. § 2 DSchG (Abs. 1) und genießt dadurch Kulturdenkmaleigenschaft.
Auf die heimat-, landes- und europageschichtliche Bedeutung der Anlage im Zusammenhang mit Louis René Édouard de Rohan-Guémené, Fürstbischof von Strassburg, mit Louis Antoine Henri de Bourbon-Condé, Duc d’Enghien, und mit Princesse Charlotte de Rohan-Rochefort in der Literatur über die Geschichte von Ettenheim, das jahrhundertelang Bestandteil des Hochstifts Strassburg war, wird in der Beurteilung des Landesdenkmalamtes besonders hingewiesen.