Neugestaltung des Gartens

Im Rahmen der intensiven Beratungen zur Stadterneuerung Ettenheims in den 90er Jahren, wurde auch erwogen, auf dem Gelände des damaligen "Kopp’schen Gartens" Parkplätze zur Entlastung der Innenstadt zu schaffen. Dieser Gedanke löste in der Bürgerschaft heftige Diskussionen aus und führte schließlich zur Gründung des "Freundeskreis Prinzengarten Ettenheim e.V." im Jahre 2001.
Unter der fachlichen Betreuung und Federführung des Gartenarchitekten Eckard K.H. Riedel wurde eine gewissenhafte Bestandsaufnahme erstellt und ein Entwurf zur Neugestaltung des Gartens erarbeitet.
Vor der Entwurfsarbeit wurden die nachstehenden Aspekte diskutiert aus denen sich die Entwurfsgedanken entwickelten.
1. Stadtplanerisch-Städtebaulicher Aspekt:
Um eine gewichtige Rolle im Leben der Stadt zu spielen liegt der Garten an hervorragender Stelle, nahe dem Stadtzentrum, auf der Nahtstelle zwischen Stadt und Landschaft.
Er sollte in Zukunft nicht nur eine hohe Aufenthaltsqualität haben, sondern auch zum Verknüpfungspunkt und Bindeglied zwischen Stadt und Landschaft werden. Darüber hinaus sollte er thematisch so interessant gestaltet werden, daß er auch auswärtige Gäste zum Besuch reizt.
Barockgarten Skizze
2. Gartengeschichtlicher Aspekt:
Der Garten wurde durch seine Geschichte, die ihn mit dem Schicksal des von 1792 bis zu seiner Aushebung und Erschießung im März 1804 im Ettenheimer Exil lebenden Prinz Louis-Antoine-Henri de Bourbon-Condé, Duc d’Enghien und seiner Geliebten, der Prinzessin Charlotte de Rohan-Rochefort verbindet, zum Denkmal. Auch wenn keine zeitgenössischen Pläne, keine bildhaften Darstellungen oder Beschreibungen vorliegen, so ordnet diese Geschichte den Garten doch der von der französischen Gartenkunst geprägten Epoche des Barock zu.
Wie in keiner anderen Stilepoche der Gartenkunst folgt der barocke, französische Gartenstil einem strengen Regelwerk, das die Gliederung eines Gartens vorgibt. In hierarchischer Abstufung liegen in nächster Nähe des Herrenhauses die prachtvollen Parterres, gefolgt von den Bosquets und schließlich den Bois.

Ebenfalls in Nähe des Herrenhauses, jedoch in der weniger beachteten Seitenlage lagen der Potager (Küchengarten) und der Fruitier (Obstgarten).
Unser Objekt war sicherlich nie ein hochrangiger barocker Prachtgarten. Es war sicherlich mehr in die historische Nähe des Potagers oder des Fruitiers zu rücken.
Diese Vermutung wurde immerhin durch die oben zitierten literarischen Hinweise gestützt und schließlich durch die, im Jahre 2005 von dem Ettenheimer Stadthistoriker Dieter Weis entdeckte Schuldverschreibung vom 1. Juni 1810, als richtig belegt.,
Im Laufe der Entwurfsbearbeitung setzte sich die Überzeugung durch, daß stilgeschichtliche Anleihen nicht überzogen werden dürften, um den Garten nicht auf eine falsch verstandene Bedeutungsebene zu heben. Es sollten bei der Neugestaltung die Stilelemente eingesetzt werden, die der historischen Bedeutung des Gartens entsprechen, um solchermaßen seiner Geschichte ehrliche Reverenz zu erweisen und ihn gleichzeitig einer sinnvollen, nicht überzogenen, zeitgemäßen Nutzung zu erschließen.
3. Nutzungsaspekt:
Während der Diskussion um die Entwurfsinhalte für den "Prinzengarten" bestand sehr bald Einigkeit, daß neben der kontemplativ-beschaulichen Erholungsnutzung und der Möglichkeit zur Begegnung, im Garten auch Raum für kleinere sommerliche Feste und kulturelle Veranstaltungen geschaffen werden sollte.
Dieser Aspekt bedingte den Bau von Toiletten und ergänzenden Räumlichkeiten.
4. Gestalterischer Aspekt
Der neue Garten sollte, auch nach seiner Neugestaltung, vieles von seiner derzeitigen Atmosphäre und seiner verwunschenen Stimmung beibehalten.
Er sollte in seiner Formensprache, aber auch dem denkmalpflegerischen Anspruch genügen und die Epoche seiner geschichtlichen Herkunft sichtbar werden lassen.
Diese Symbiose ist mit dem Entwurf, der dem Ettenheimer Gemeinderat am 16.05.2002 zur Beratung vorgelegt und zur Ausführung beschlossen wurde, gelungen.
Zum Dritten aber, sollte der Garten auch zeitgemäßen Nutzungsansprüchen genügen und durch seine Originalität zu einer weiteren Attraktion der Stadt Ettenheim und zum Anziehungspunkt für auswärtige Besucher werden.
Vier Elemente barocker Gartengestaltung wurden der Gliederung des Gartens zugrunde gelegt.
Schon nach nur zweijähriger Bauzeit, in überwiegend ehrenamtlicher Arbeit konnte der 1. Bauabschnitt fertiggestellt und der Garten der Öffentlichkeit übergeben werden.
Blühender Bärlauch
Pressebericht Badische Zeitung 18.05.02
Gartengliederung